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Fallbeispiel: Land Deals in Tanzania

Durch Bundesgesetze und europäische Vorgaben sind Investitionen in Agrosprit quasi rechtlich garantierte Erfolgsrezepte. Für Land Grabber ist der Absatz ihrer Beimischungsprodukte auf hohem Niveau gesichert. Das Biokraftstoffquotengesetz von 2007 sieht die zwölf- bis 15-prozentige Beimischung von nachwachsenden Bestandteilen zu fossilen Kraftstoffen bis 2020 vor. Doch angesichts der enormen Probleme, die mit der Landwirtschaft für den Tank zusammenhängt, ist die Beimischung an EU-weite Bedingungen geknüpft: Nachhaltige Bewirtschaftung, Schutz natürlicher Lebensräume, Treibhausgasminderung um mindestens 40 Prozent (1). Wie auch bei Coltan und anderen Rohstoffen, die unter meist menschenfeindlichen Bedingungen gewonnen werden, sollen Zertifikate dafür sorgen, dass diese Maßgaben, die aus Agrosprit „Biosprit“ machen sollen, eingehalten werden. Diese Zertifikate stellen entsprechende Unternehmen im Auftrag der Agrarkonzerne aus. Einige große NGOs, aber auch akademische und Regierungsinstitutionen leisten technische und rechtliche Hilfe, der deutschen und europäischen Industrie hier unter die Arme zu greifen. Den EU-Staaten geht es, wie Brasilien, den USA und einigen anderen, meist selbst Agrar-Rohstoffe anbauenden Ländern, um Unabhängigkeit von den steigenden Ölpreisen. Außerdem bedeutet dieses Ausweichen im Klimaproblem, weiter auf Wachstum der Wirtschaft und der Produktmasse setzen zu können und dennoch den Anschein zu erwecken, den grünen Wandel bereits zu vollziehen. Deutschland ist in der EU der größte Verbraucher von Agrardiesel, der v.a. aus Raps-, aber auch aus Soja- und Palmöl hergestellt wird. Während der Agraranteil im Diesel eher sinken wird, steht beim Agrarbenzin, also der Beimischung von Ethanol aus Zuckerrohr und Getreide, der Boom noch an: Die EU-Richtlinie und die damit zusammenhängenden deutschen Maßgaben garantieren Absatzmärkte für Jahrzehnte, bereits 2007 wurde auf fast 1,7 Millionen Hektar außerhalb der EU für europäischen Agrorsprit-Bedarf produziert (2).

1 www.bukoagrar.de/fileadmin/dateiupload/PDF-Dateien/Agrarkraftstoffe.pdf, S.9.

2 www.foeeurope.org/agrofuels/FFE/Profundo%20report%20final.pdf, S. 16.