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Nahrung für Tiere anstatt für Menschen

Weizenanbau in der saudischen Wüste. Quelle

Die EU subventionierte 2011 die europäische Agrarindustrie mit etwa 50 Milliarden Euro1. Diese hat es vor allem auf die Weiterverarbeitung importierter Lebensmittel sowie die Milch- und Fleischproduktion für den weltweiten Export andererseits abgesehen. Hier ist der größte Profit zu machen.

Dafür werden Futtermittel für die industrialisierte Tierzucht benötigt – billig und sehr, sehr viel. Auf 20 Millionen Hektar im „Sojagürtel“ Südamerikas, hauptsächlich in Brasilien, Paraguay und Argentinien, werden für die europäische Tierhaltung Sojabohnen angebaut2. Das Geschäft wird vom Ackerland bis in den Trog von Großunternehmen bestimmt, denn nur mit hohem Kapitaleinsatz lohnt der Anbau des meist genmanipulierten Saatgutes, dass gleich mit den dazugehörigen Pestiziden und Herbiziden aus einer Hand gekauft werden kann. Zehntausende Menschen wurden aus den Gebieten vertrieben, in denen jetzt riesige Soja-Monokulturen existieren. Gleichzeitig werden die lokalen Märkte zerstört, indem Freihandelsabkommen mit der EU teure Veredelungsmaßnahmen und Qualitätssicherung vorschreiben, die sich in den ländlichen Gegenden weder Verkäuferin noch Käufer leisten kann.

Europäische Milch und Fleisch, dass mit importiertem Soja produziert wird, landet am Ende auf den Tischen der wachsenden Mittelschichten aufstrebender Länder – auch in denselben Ländern, in denen die Futtermittel angebaut werden. Mit den subventionierten Preisen der EU-Agrarindustrie können die Kleinbäuerinnen und -bauern nicht konkurrieren. So wird die Landwirtschaft der betroffenen Länder an den Anfang der arbeitsteiligen Fleischproduktion zurückgedrängt. Teilweise wird auch in den Zielländern selbst Fleisch produziert, doch die Mechanismen sind die gleichen wie bei der Soja-Produktion: Vertreibung und Umweltzerstörung. Dabei verändern sich auch die Besitzverhältnisse; Kleinbäuerinnen und -bauern werden durch Land Grabbing vertrieben, in dem Boom um Agrar-Rohstoffe und der industrialisierten Milch- und Fleischproduktion soll für sie kein Platz mehr sein.

Die Landlosen, Kleinbäuerinnen und -bauern sowie TagelöhnerInnen organisieren seit Jahrzehnten den Kampf gegen die Großgrundbesitzenden und transnationalen Unternehmen und haben unter großen Opfern zahlreiche Erfolge erreicht3. Mit Via Campesina existiert seit 1993 ein weltweiter Zusammenschluss von etwa 150 Organisationen, die weltweit für Ernährungssouveränität und kleinbäuerliche Landwirtschaft eintreten. Dabei geht es nicht nur um die Existenzgrundlage von Millionen Menschen, sondern auch um den Schutz der natürlichen Ressourcen inklusive des Wassers und die generelle Frage, wie sich eine weltweit verknüpfte Nahrungsmittelproduktion und -verteilung menschengerecht organisieren lässt.

1 42,9 Milliarden Euro aus der "Ersten Säule“ der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU; siehe: http://ec.europa.eu/budget/figures/2011/2011_de.cfm. Außerdem gibt es noch den ebenfalls milliardenschweren Posten für Investitionen der "Zweiten Säule", die angeblich jene Aspekte der Landwirtschaft fördern soll, die bei der profitorientierten Agrarindustrie hinten runterfallen.

3 Beispielsweise konnte die Landlosenbewegung MST in Brasilien bis Ende der 1990er für etwa 350.000 Landlose Eigentumstitel erkämpfen. Der Landkonflikt forderte und fordert immer noch regelmäßig Tote, für die vor Allem die privaten Milizen und das Militär verantwortlich sind.