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Kontroverse Diskussionen auf unserer Fachtagung

Die Neue Landnahme in Asien, Afrika und Lateinamerika

Anlässlich der Sorge um die globale Jagd nach Land, luden das FDCL und Brot für die Welt am 18. November 2010 zur Fachtagung „Die neue Landnahme in Afrika, Asien und Lateinamerika“ ein. Etwa 140 Gäste verfolgten die Vorträge der ReferentInnen. Nach einer Einführung in die Thematik des Land Grabbing von Dr. Ralf Leonhard kamen Vertreter aus Tansania, Kolumbien und Indien zu Wort. Sie schilderten die Prozesse der Landnahme in ihrer Region. Auch wenn sich die politischen Umstände regional unterscheiden,so sind die sozialen und ökologischen Auswirkungen des Land Grabbing überall ähnlich dramatisch: gewaltsame Vertreibung der Landbevölkerung, Verschlimmerung von Armut und Hungersnöten, Umweltzerstörung und Anstieg der Armutsmigration.

Nach den Fallbeispielen von Abdallah Mkindi, Gilma Tellez, Judith Maldonado und Fatima Burnard folgten drei Podien. Die Rollen der Akteure und Investoren waren Gegenstand des ersten Podiums.

Wer sind die Akteure des Land Grabbing? Mit seinem Referat brachte Thomas Fritz Licht ins Dunkel der Fonds, Banken und weiterer Akteure in der Finanzwelt und beleuchtete deren Motive. Dabei betonte er zwar den dringenden Bedarf an Kapitalinvestitionen in Entwicklungsländern, um die Ernährungssicherheit zu verbessern, forderte jedoch, dass diese primär in die kleinbäuerliche Landwirtschaft fließen sollten und nicht in den Ausbau des Agrobusiness zur Produktion von Exportgütern. Dr. Thomas Koch, als Vertreter der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft  (DEG) betrachtet die Investitionen in Land als Chance für die Entwicklungsländer. Die DEG verfolge marktgeleitete Investitionen, die nötig werden um eine immer größer werdende weltweite Bevölkerung zu ernähren. Thomas Koch räumte jedoch ein, dass die Einhaltung der Codes of Conduct, z.B. die freiwilligen Leitlinien der UN-Welternährungsorganisation (FAO), dabei eine wichtige Bedingung sein muss.

Roman Herre, Carolin Callenius, Vera Köppen v.l.

Die Rolle der deutschen Entwicklungsinstitutionen war Gegenstand des zweiten Podiums. Roman Herre von FIAN stellte in seinem Referat die Möglichkeiten und Mängel der Entwicklungszusammenarbeit dar. Er betonte dabei die Gefahren, die eine Politik der Förderung privater Landtitel für die Ernährungssicherheit der Entwicklungsländer mit sich bringt. Vera Köppen von der deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) erörterte Maßnahmen und Konzepte der GTZ in Bezug auf die Landnahme und verwies auf die Unterstützung von Agrarreformen bspw. in Namibia. Die GTZ setzt dort allerdings auf das „willing buyer-willing seller Prinzip“, einem Ansatz den FIAN kritisiert.

Auf dem dritten Podium wurden die Richtlinien zu Landkäufen erörtert. Zunächst stellte Frau Sophie Ratzke vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) den Standpunkt des Ministeriums dar und informierte das Publikum über den aktuellen Stand der internationalen Verhandlungen. „Die freiwilligen Leitlinien sind ein realistisches Mittel zur Kontrolle von Landnahme“, so Michael Windfuhr, Leiter des Teams Menschenrechte bei "Brot für die Welt", „aber auf sie allein dürfte nicht gesetzt werden“.

Das Problem Land Grabbing tangiert viele Politikbereiche und die notwendigen Regulierungen müssen daher auf mehreren Ebenen erfolgen. Neben den Leitlinien zur Regulierung von Landkäufen bedarf es vor allem einer Land- bzw. Bodenpolitik, die dem Menschenrecht auf Nahrung Rechnung trägt. Über die konkrete Ausgestaltung, sind sich Vertreter der Entwicklungszusammenarbeit und NGO`s allerdings uneinig.

Carolin Callenius, Fatima Burnard, Abdallah Mkindi, Ralf Leonhard, Judith Maldonado Mojica v.l.

Im letzten Teil der Tagung kamen noch einmal die Vertreter der Zielländer des Land Grabbing zu Wort. Jeder von ihnen verlieh der Forderung Nachdruck, lokale Gemeinden in die Entscheidungsprozesse bei Investitionen einzubeziehen und betonte die dringende Notwendigkeit von Landreformen. Abschließend verwies Carolin Callenius (Brot für die Welt) darauf, dass die Sicherung des Menschenrechts auf Nahrung, Bedingung jeder Investition in Land sein muss. Dazu müssten jedoch das bestehende Handelssystem hinterfragt sowie starke internationale Leitlinien, die nachhaltig, sozial und ökologisch sind, formuliert werden. Bis dahin gilt es als Zivilgesellschaft – im Norden wie im Süden – die internationale Zusammenarbeit im Hinblick auf die Dokumentation der Fälle zu verstärken und dabei kontinuierlich Druck auf die Akteure aus Politik und Wirtschaft auszuüben.